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Von Hosea bis Maleachi

Ansicht Cover Band1 Während Heinrich Langenberg in seinem Werk „Von Salomo bis Hosea“ die Wirksamkeit der Tatpropheten Elia und Elisa und der fünf ersten Schriftpropheten (Jona, Obadja, Joel, Amos, Hosea) in der vorassyrischen Periode beschrieben hat, befasst er sich hier primär mit den späteren Propheten. Diese zeichnen das Bild der Person des Messias klarer.

Der Untergang des Zehnstämmereiches mit der Zerstörung seiner Hauptstadt Samaria durch die Assyrer im Jahr 722 bildete einen hochbedeutsamen Einschnitt nicht nur in die Geschichte Israels, sondern auch im Zusammenhang damit in die Entwicklung des ganzen Prophetismus. Dieses Ereignis hat vor allem dazu beigetragen, den Blick der Prophetie mehr und mehr von der hoffnungslosen Gegenwart zu lösen und auf die messianische Heilszukunft hinzulenken.

Dem Autor ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Maleachi nicht nur chronologisch der letzte der alttestamentlichen Propheten ist, sondern dass er auch das letzte Wort zu sagen hat im Hinblick auf die Heilspläne Gottes über Israel und die Völkerwelt.

Hardcover, 452 Seiten, 18,60 €
ISBN 978-3-00-064921-9
Bestellnummer: 1340

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Ausschnitte zum Probelesen


Inhaltsverzeichnis


1 Die Bedeutung der Zerstörung Samarias für den Prophetismus 9
1.1 Einleitung 9
1.2 Jotham und Ahas von Juda 12
1.3 Hosea von Israel und der Untergang des Zehnstämmereiches 18
1.4 Die Samaritaner 22
1.5 Hiskia als Reformator 25
1.6 Hiskias Kultusreformen 30
1.7 Hiskia in der Glaubensschule 34
1.8 Was in Hiskias Herzen war – seine Krankheit und Tod 40
1.9 Fragen und Probleme 45
2 Die Bedeutung des Propheten Micha 47
2.1 Einleitung 47
2.2 Gericht über Samaria und Juda (Mi. 1,1-16) 49
2.3 Die große Lüge (Mi. 2,1-10) 55
2.4 Die Propheten der großen Lüge (Mi. 2,11-12) 61
2.5 Zionsweg durch Leiden (Mi. 4,1-14) 66
2.6 Das messianische Friedensreich (Mi. 5,1-14) 73
2.7 Der Streit Jehovas mit seinem Volk (Mi. 6,1-16) 80
2.8 Wo ist ein Gott wie du! (Mi. 7,1-20) 84
2.9 Fragen und Probleme 91
3 Das göttliche Heilsprogramm mit Israel (2. Kön. 21-25) 95
3.1 Einleitung 95
3.2 Manasse und Amon 97
3.3 Josias Bekehrung 102
3.4 Josia und das wiedergefundene Gesetz 106
3.5 Die Reformation Josias 110
3.6 Der Bankrott 114
3.7 Die letzten Könige von Juda 118
3.8 Die Zerstörung Jerusalems 122
3.9 Fragen und Probleme 127
4 Die Bedeutung Ninives und der Prophet Nahum 131
4.1 Einleitung 131
4.2 Die Majestät des Weltrichters (Nah. 1,1-14) 132
4.3 Der Untergang Ninives (Nah. 2,1-14) 137
4.4 Die Schuld Ninives (Nah. 3,1-19) 143
5 Die Gerichte Gottes und der Prophet Habakuk 149
5.1 Einleitung 149
5.2 Das Problem der göttlichen Zorngerichte (Hab. 1,1-17) 151
5.3 Die göttliche Lösung (Hab. 2,1-5) 156
5.4 Das fünffache Wehe und der Sieg der Gnade (Hab. 2,6-20) 160
5.5 Ein Psalm Habakuks (Hab. 3,1-19) 166
5.6 Fragen und Probleme 173
6 Zeit und Aufgabe des Propheten Zephanja 175
6.1 Einleitung 175
6.2 Nahe ist der Tag Jehovas (Zeph. 1,1-13) 178
6.3 Vielleicht werdet ihr geborgen (Zeph. 1,14-2,3) 183
6.4 Das Gericht über die Nationen (Zeph. 2,4-15) 188
6.5 Das Verstockungsgericht Jerusalems (Zeph. 3,1-8) 193
6.6 Das Heil der Welt (Zeph. 3,8-13) 198
6.7 Das neue Lied des geretteten Israel (Zeph. 3,14-20) 202
6.8 Entwicklung der Vorstellung vom Tage Jehovas bei den Propheten 207
6.9 Fragen und Probleme 212
7 Die prophetische Bedeutung der Klagelieder 215
7.1 Einleitung 215
7.2 Siehe, Jehova, wie angst mir ist! (Kla. 1,1-22) 218
7.3 Schütte aus wie Wasser ... (Kla. 2,1-22) 224
7.4 Die Lösung des Problems (Kla. 3,1-24) 231
7.5 Im Licht der Gnade (Kla. 3,25-66) 236
7.6 Rückblick auf die frühere Sünde (Kla. 4,1-22) 242
7.7 Gebet um Wiederherstellung (Kla. 5,1-22) 247
7.8 Jesu Klagelied über Jerusalem (Mt. 23,37-24,3) 252
7.9 Fragen und Probleme 257
8 Der nachexilische Prophetismus 259
8.1 Einleitung 259
8.2 Israels Elend im Exil (Ps. 102) 261
8.3 Sehnsucht nach Zion (Ps. 137) 265
8.4 Erlösung aus Babel (Ps. 126) 270
8.5 Israel wieder daheim (Ps. 107) 274
8.6 Lauheit im Werk des Herrn (Hag. 1,1-11) 279
8.7 Fasst Mut und betreibt das Werk! (Hag. 1,12-2,9) 283
8.8 Glaube an das Unsichtbare und Glaubensgehorsam (Hag. 2,10-23) 289
8.9 Fragen und Probleme 296
9 Der Prophet Maleachi 299
9.1 Einleitung 299
9.2 Jehovas Erwählungsgnade (Mal. 1,1-5) 302
9.3 Israels religiöser Verfall (Mal. 1,6-14) 307
9.4 Jehovas Ultimatum an die Priester (Mal. 2,1-9) 314
9.5 Hütet euch in eurem Geist (Mal. 2,10-16) 321
9.6 Die Läuterung des Volkes (Mal. 2,17-3,6) 327
9.7 Kehrt nun zu mir (Mal. 3,7-12) 335
9.8 Die, welche Jehova fürchten (Mal. 3,13-18) 341
9.9 Siehe, ich sende euch den Elia (Mal. 3,19-24) 347
10 Die messianischen Psalmen 357
10.1 Einleitung 357
10.2 Die erste Gruppe der messianischen Psalmen 358
10.2.1 Psalm 2 358
10.2.2 Psalm 8 360
10.2.3 Psalm 16 361
10.2.4 Psalm 22 363
10.2.5 Psalm 23 368
10.2.6 Psalm 24 369
10.3 Die zweite Gruppe der messianischen Psalmen 371
10.3.1 Psalm 40 371
10.3.2 Psalm 41 375
10.3.3 Psalm 69 377
10.4 Die dritte Gruppe der messianischen Psalmen 382
10.4.1 Psalm 45 382
10.4.2 Psalm 68 385
10.4.3 Psalm 72 389
10.4.4 Psalm 89 391
10.4.5 Psalm 110 395
10.4.6 Psalm 118 398
11 Vom Verstummen der Prophetie bis zur Erscheinung Christi 403
11.1 Einleitung 403
11.2 Die persische Zeit (bis 322 v. Chr.) 404
11.3 Die griechische Zeit (332-167 v. Chr.) 407
11.4 Die Zeit der Hasmonäer (167-63 v. Chr.) 411
11.5 Die herodianische Zeit (63-4 v. Chr.) 417
Bibelstellenverzeichnis 423

2.6 Das messianische Friedensreich (Mi. 5,1–14)

Der Prophetismus ist mit Micha an einer der wichtigsten Entscheidungen angelangt, nämlich beim Problem des Messias. Micha hatte bestimmt ausgesprochen, dass auch in Jerusalem das Königtum dem Gericht verfallen sollte, als ob kein König mehr da wäre (vgl. Kapitel 4,9). Vor dem Auftreten des Messias in der Prophetie war das davidische Königtum scheinbar vollständig ausgestorben. Und doch konnte der Bund vom ewigen Königtum Davids nicht aufgehoben werden. Andererseits war das davidische Königtum an sich unfähig, das Volk zu retten, selbst die frömmsten Könige aus diesem Hause mussten immer wieder an den eigenen Schwächen zuschanden werden und ihr Reformationswerk scheitern sehen. Dafür liefert die Geschichte die Beweise. Micha hatte es an Hiskia erlebt. Unter Manasse, Hiskias Sohn, gingen die Früchte der Reformation wieder restlos verloren.

Wenn nun der verheißene Retter aus dem Hause Davids stammen sollte (vgl. Hos. 3,5; Am. 9,11), so musste er ein andersartiger sein als seine Vorgänger. Auf dies Problem wirft nun Michas Weissagung helles Licht.

„Du aber, Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Gaustädten von Juda, von dir soll mir ausgehen, der ein Herrscher sei in Israel, und des Ausgänge von der Vorzeit, von den Tagen der Urzeit her sind.“ (5,1)

Hier ist klar der zweifache Ausgang des Messias ausgesprochen, der zeitliche und der ewige. Bethlehem war der Geburtsort Davids, dort sollte auch der Messias, der große Davidssohn, geboren werden. Hier war der gegebene Platz für einen Neuanfang. Die heilige Geschichte hat eine wunderbare Erfüllung dieser Weissagung gebracht (vgl. Mt. 2,5–6; Joh. 7,41–42). Die Kleinheit und Unscheinbarkeit Bethlehems wird hier besonders betont, im Gegensatz zu der Größe und Herrlichkeit dessen, der aus ihm hervorgehen sollte, um den Charakter der Heilswege Gottes damit anzuzeigen, der aus der Niedrigkeit zum Siege führt. Aus diesem äußerlich unscheinbaren Städtchen sollte der kommen, der nach Gottes Absicht Herrscher über Israel werden sollte.

Der Messias hat mehrere Ausgänge. Nach Am. 9,11 liegt der Anfang des davidischen Hauses auch schon in den Tagen der Vorzeit. Der Prophet greift aber noch weiter zurück in die Urzeit zu den älteren Verheißungen an Abraham, Jakob, Juda, die alle auf den kommenden Messias hinwiesen. Der Messias war seit unvordenklichen Zeiten bereits im Kommen begriffen (vgl. Jes. 48,16).

Diese Linie rückwärts wird in der Schrift endlos verlängert, so dass der Begriff der ewigen Präexistenz des Messias in Mi. 5,1 verborgen liegt. Es ist beachtenswert, dass Christus seine ewige Präexistenz und Gottheit nicht von dieser Stelle ableitet, sondern einen anderen Schriftbeweis dafür bringt (vgl. Mt. 22,41–46). Die Ausdrücke Vorzeit und Urzeit sind nicht unbedingt zwingend für die Tage der Ewigkeit zu deuten (vgl. Mi. 7,14.20; Jes. 51,9). Der Begriff der Ewigkeit des Messias wird im Prophetismus wachstümlich gebildet. Wie in Mi. 5,1 die Ewigkeit nach rückwärts, so wird in Jes. 9,6 die Ewigkeit nach vorwärts ausgesagt.

Je mehr das Volk Israel dem Gericht verfiel, und selbst das davidische Königtum ins Wanken geriet, desto klarer trat die Unvergänglichkeit und Ewigkeit des Messias und seines Königtums in den Vordergrund. In Verbindung mit Jesaja, dem Zeitgenossen Michas, muss Mi. 5,1 als prophetisches Zeugnis für die ewige Präexistenz des Messias angesprochen werden, so dass also dem zeitlichen Ausgang aus Bethlehem der Ausgang aus der Ewigkeit gegenüberstände.

Diese Beweise für die Gottheit Christi aus dem Alten Testament liegen nicht mit juristischer Akribie auf der Hand, sodass man auch einen Ungläubigen zur Annahme zwingen könnte, sondern sie werden nur demjenigen zwingend, der sich im Glauben dem Geist des Gesamtprophetismus öffnet und seine Erkenntnisse kontrollieren lässt durch die Schriftauslegung des Neuen Testaments, der also die gerade Linie findet von Mi. 5,1 bis zu Joh. 1,1. Das Problem des Messias ist durch Micha in den Mittelpunkt der Weissagung gestellt worden, herausgeboren aus der Not der Zeit. Das verheißene Friedensreich musste einen König haben, der größer und mächtiger ist als alle davidischen Könige.

Person und Werk des Messias wird beschrieben in den Versen 1–5. Um dem Volk die Notwendigkeit der Erlösung allein durch den Messias zu Bewusstsein zu bringen, dazu wurde es in die Not hineingeführt.

„Darum gibt er sie preis bis zur Zeit, wo die Gebärerin geboren hat und der Rest seiner Brüder sich zurückwendet zu den Söhnen Israels.“ (5,2)

Gott gab Israel preis den Heiden zur Züchtigung, damit es in der Leidensschule erzogen würde für das messianische Königtum. Die Gebärende ist zwar nach Mi. 4,8ff. die Tochter Zion im Allgemeinen, aber auch dieser Begriff konsolidiert sich zu einer bestimmten Persönlichkeit, in welcher er seine Vollendung findet und zur Erfüllung gelangt. Die Jungfrauengeburt des Messias, die hier in Micha ebenfalls nur angedeutet wird, wird in Jesaja bestimmter zum Ausdruck gebracht. Maria, die Mutter Jesu, ist solidarisch mit der Tochter Zion. Solange sollte Israel den Heiden preisgegeben werden, bis der Messias geboren sei von der Gebärerin. Dann werden auch die zerstreuten Brüder des Messias zurückkehren zu ihrem Geschlecht.

Die Wiedervereinigung Israels gehört zu den Grundvoraussetzungen für das messianische Friedensreich (vgl. Hos. 2,2; Am. 9,11; Jes. 11,13).

„Da wird er stehen und weiden in der Kraft Jehovas, in der Majestät des Namens Jehovas, seines Gottes.“ (5,3)

Mit göttlicher Kraft und Majestät wird der Messias, der zukünftige Herrscher Israels, ausgestattet, um seine gewaltig große Aufgabe, als Hirte sein Volk zu weiden, erfüllen zu können (vgl. Jes. 9,6; 11,2).

„Da werden sie siedeln; denn nun ist er groß bis an der Erde Enden.“ (5,3)

Das Volk wird unter seiner Leitung und seinem Segen sicher wohnen, siedeln; denn er wird die ganze Erde beherrschen (vgl. Lk. 1,32; Mi. 4,1–5).

„Und dieser wird Friede sein.“ (5,4)

Dies ist der Titel des neuen Herrschers über Israel, er ist der Friede.

● Der erste Davidssohn (Salomo) war dem Namen nach auch ein Friedensmann, aber durch seine Schuld ist der Unfriede und die Reichsspaltung gekommen (vgl. 1. Kön. 11,14.23.25.31).

● Der andere Davidssohn ist der wahre Friede (vgl. Ri. 6,24; Jes. 9,5). Er bringt nicht nur Frieden, sondern er ist der Friede in Person, d.h. nicht die Personifikation des Friedens, sondern die solidarische Zusammenfassung des ganzen Friedensreichs, der ganzen Weltfriedensherrschaft in seiner Person. Alles ist in ihm gegeben und wird sich aus ihm entfalten.

Diese Wahrheit wird im Prophetismus immer bestimmter ausgeprägt und von Paulus bis zur äußersten Konsequenz durchgeführt (vgl. Eph. 2,14).

Ehe der Messias jedoch zum Friedefürst wird, tritt er zuvor als streitbarer Held auf (vgl. Jes. 9,5–6), der alle Feinde Israels überwindet durch seine Helden, die er aus seinem Volk sich gewinnt.

„Assur, wenn es in unser Land kommt und auf unsere Paläste daher tritt, da stellen wir ihm sieben Hirten entgegen und acht Fürsten aus dem Volk, und die weiden das Assurland mit dem Schwert und das Nimrodsland in seine Tore hinein. Ja retten wird er von Assur, wenn es in unser Land kommt und wenn es auf unsere Grenzen tritt.“ (5,4–5)

Hier wird deutlich auf Kapitel 4,11–13 zurückgegriffen, wo von den zukünftigen Angriffen der Völker auf das erlöste Israel die Rede ist. Das Richten der Nationen lässt er durch seine Hirten und Fürsten besorgen (vgl. Ob. 21).

Diese zukünftige, feindliche Weltmacht wird deutlich gemacht an Assur und Babel, Assur als das Weltreich, welches zur Zeit Michas das Volk bedrohte, und Babel als dasjenige, welches Juda ins Exil zu führen bestimmt war (Kapitel 4,10). Mit keinem passenderen Namen konnte Micha seinen Zeitgenossen das Heidenvolk der Zukunft besser bezeichnen. Die sieben oder acht fürstlichen Männer weisen nach der Bedeutung der hebräischen Zahlensprüche auf eine ziemlich große Anzahl hin. Sie sind nicht die Retter, sondern nur als Werkzeuge des Messias gedacht. Der Retter ist der Messias selbst (Mi. 5,5b).

Beim Auftreten des Messias werden sich die Geister scheiden: Den Völkermengen, die dann nach Gott fragen (Kapitel 4,2), stehen diejenigen gegenüber, die ihn befehden (Kapitel 5,6–8). Die einen werden sich zum Heil hinzu drängen, die andern erst durch Zwang und Unterwerfung zur Anerkennung der Herrschaft des Messias gebracht werden (vgl. Ps. 2,12; Jes. 19,23–25). Israel als das Volk Gottes wird das messianische Heil der ganzen Welt vermitteln.

Israel als Heilsvermittler wird uns in den Versen 6–8 vorgestellt.

„Da wird denn der Rest Jakobs inmitten vieler Völker sein wie der Tau von Jehova her, wie Regenfülle über dem Graswuchs, der nicht wartet auf Menschen und nicht harrt auf Menschenkinder.“ (5,6)

Für die Gottsuchenden wird der Überrest ein segenbringender Tau sein inmitten der Völkerwelt, die einer vollständig verdorrten Steppe gleicht, wo kein Mensch mehr helfen kann.

„Und unter den Heiden wird der Rest Israels inmitten der Völkerfülle sein wie ein Löwe unter dem Getier des Hochwaldes, wie ein junger Löwe unter Schafherden, der, wenn er hindurchschreitet, niedertritt und zerreißt rettungslos.“ (5,7)

Für die Gottesfeinde wird der Überrest Israels wie ein reißender Löwe sein (vgl. Lk. 2,34; Röm. 9,33; Jes. 8,14). Es kommt zu der großen Scheidung der Geister und zur Überwindung aller Feinde des Volkes Gottes.

„Hoch deine Hand über deine Feinde! Und all deine Widersacher müssen ausgerottet werden (vgl. Jes. 60,12).“ (5,8)

Zu dieser hohen messianischen Heilsaufgabe muss Israel fähig gemacht werden. Das ist die moralische Nutzanwendung, die Micha aus der Schilderung der Heilszukunft für das Israel seiner Gegenwart zieht. Soll Israel einstens die Heiden richten, so muss zuvor alles heidnische Wesen in Israel selbst völlig ausgerottet werden.

„Und jenes Tages, spricht Jehova, will ich ausrotten deine Rosse aus deiner Mitte und deine Kriegswagen verderben, und ausrotten die Städte deines Landes und alle deine Festungen zertrümmern, und ausrotten die Zaubereien aus deiner Hand, und Wolkendeuter sollst du nicht mehr haben, und ausrotten deine Steingötzen und deine Gussbilder aus deiner Mitte, und nicht sollst du fürderhin anbeten das Werk deiner Hände, und will zertrümmern deine Ascheras aus deiner Mitte und deine Städte in Ruinen legen, und will ausüben in Zorn und Grimm Rache an den Heiden, die nicht gehorcht haben.“ (5,9–14)

Alles, worauf Israel sein Vertrauen gesetzt hat, äußere Machtmittel und abgöttische Kultgegenstände, soll völlig hinweggeräumt werden: Streitrosse, Kriegswagen, Festungen, Städte, Götzenbilder (vgl. Jes. 2,7ff.; 8,19; 30,16; 31,1.7; Hos. 1,7; 2,20; 8,14; 14,4; Mi. 1,13).

Erst, wenn Israel alles Vertrauen auf Jehova allein setzen wird, kann es seiner heilsgeschichtlichen Mission genügen. So hat Micha das Problem des Messias bestimmt in den Vordergrund gestellt und das Rätsel aufgegeben: Ist der Messias derselbe wie Jehova? „Obgleich nämlich Christus der wahre Same Davids war, war er doch auch zugleich Jehova, nämlich Gott geoffenbart im Fleisch“ (Calvin).